Dienstag, 8. November 2011

Phantasie

Und wieder einmal die tägliche Dosis Pessimismus...

Ein Freund meinte einmal, Phantasie sei der Schlüssel zum Glück. Ob es passend war oder nicht – meiner Meinung nach wird diese Art von Bewertung eines Verhaltens stark überbewertet – musste ich lachen.
Ich sehe Phantasie als einen Luxus, den man sich nicht kaufen und auch nur selten überhaupt leisten kann. Phantasie ist eine nette Umschreibung für Illusion und Verklärung, die Augen vor der Realität zu verschließen. Ich verstehe den Wunsch, insbesondere wenn man sich unsere Bundesregierung anschaut, aber man hat nicht viel davon, die bittere Wahrheit wird – wenn überhaupt – nur aufgeschoben.
Ein Philosoph, der an Depressionen litt und darauf hin auch den Freitod gewählt hat sagte:

“Phantasie lässt den Himmel heller scheinen, doch ein jeder, der sich vom Schein
nicht täuschen lässt, wird sehen, dass der Tag grau in grau verbleibt!“

Samstag, 5. November 2011

Labyrinth

Tausend Wege, kurvenreich, verworren. Wer soll wissen, was wohin führt? Und ist es am Ende nicht eh egal welches Ziel man erreicht hat, solange man nicht auf der Strecke blieb?

“Alles muss zu Ende gedacht werden“
Friedrich Dürrenmatt

Aber wo ist das Ende? Und kann ich es überhaupt finden, wenn ich weder weiß wo der Anfang ist, noch wo ich gerade stehe? Vielleicht bewege ich mich rasend schnell, ohne es zu merken. Denn wer weiß schon, wie fremd- oder selbstbestimmt unser Handeln – ja sogar unser Leben ist.

Am besten immer geradeaus laufen, richtung ist unwichtig. Schon wieder eine kreuzung, welchen Weg soll ich gehen? Der linke Weg sieht einfacher aus, aber ist er dass nach ein paar Metern immer noch? Und ist der einfache Weg auch der bessere? Und was finde ich am Ende meines Weges, welchen auch immer ich wähle? Neugierde, die treibende Kraft hinter jedem Schritt. Ein Ausgang? Eine zweite Chance, Reset, zurück auf Null? Ich wäre für einen Neustart, nicht um etwas grundlegend anders zu machen, aber ich würde einen neuen Blickwinkel gewinnen. Aber ob man wirklich diese Wahl hat? Und irgentwann kommt das Ende, es gibt nur eins und das ist unumgänglich. Der tod. Aber vielleicht geht es ja nicht um das Ziel, wenn ich auf dem Weg dahin viel mehr bekommen kann, als am Ende auf mich wartet. Falls überhaupt etwas wartet. Ist das Ende denn etwas oder einfach nur das Nichts.
Ich mag Labyrinthe. Am Ende wartet eine Form der Perfektion, der Stillstand. Schrecklich! Wenn es eines gibt, was einem jeden Spaß nimmt, ist es die Perfektion. Bis zu diesem Punkt will ich nicht gehen. Noch ist jedenfalls kein Ende zu sehen, nur Kurven. Mehr Kurven als gerade Strecken. Eine betäubende und atemberaubende Mischung aus Schwindelgefühlen und Freiheit. Die Freiheit auf keinen Weg achten zu müssen, auf keinen Menschen. Hin und wieder gibt es welche, die dich auf deinem Weg begleiten. Aber jeder hat ein anderes Ziel.
Sicher wie in Trance renne ich an allem vorbei. Vorbei an Häuserschluchten, die die Atmosphäre zu schneiden scheinen. Vorbei an Menschen, die ihre Freiheit schon lange verloren haben, zombiehaft, wie mechanisch stolpern sie an mit vorbei.
Ich kann nicht rasten, wüsste nicht worauf ich warten sollte, renne weiter. Durch Tag und Nacht, vorbei an verschwommenen Bildern, verzerrten Gesichtern, glühenden Augen deren Blicke wie Projektile alles durchdringen, was zu fassen kriegen. Beklommenheit, hauptsache weiterlaufen. Der Weg wird ebener, ich vergaß schon lange, wie sich so etwas anfühlt. Egal, noch weiter. Eine letzte Kurve, dann wider Erwarten das Ende. Auch wenn ich nicht sagen kann, warum, ich weiß was es ist. Und auch wenn nicht, die Würfel sind gefallen.
Es wird enden, wo alles begann...