Mittwoch, 18. April 2012

Ein weiterer Brief


Wieder ein ähnlicher Moment, wieder geht es um dich. Der letzte Post dieser Art, der letzte Brief liegt Monate zurück. Jetzt scheinen es gerade einmal Stunden zu sein. Aber auch Jahre wären nicht genug Zeit, um für diese Verwirrung Worte zu finden und meinen Gedanken einen Hauch von Sinn zu geben – Und ich dachte, bei mir sei Sprachlosigkeit schlicht unmöglich.
Viele Umstände haben sich seither bei mir geändert, und trotzdem spüre ich keinen wirklichen Unterschied. Ich sehe immer noch die Maske, erkenne immer noch, dass meine Augen mich täuschen sollen. Das Bild, dass du als dein Portrait in die Welt zeigst, ist aber falsch – egal, wie schön und kunstvoll es ist. Das bist nicht wirklich du!
Und jetzt sehe ich, dass sich doch etwas verändert hat, langsam bekomme ich Einblicke hinter die Maske, scheine deinem wahren Selbst immer näher zu kommen - und ich bin wirklich fasziniert und so neugierig wie nie zuvor. Eine einzige Variable hat einen anderen Wert angenommen, ich hoffe die Gleichung auflösen zu können...
Allerdings weiß ich noch nicht, wonach ich auflösen will. Wenn ich mir selbst oder irgend einem anderen Menschen diese Faszination erklären müsste, hätte ich Schwierigkeiten – ich kann es nicht erklären. Ich werde einfach abwarten und schauen was passiert. Ich hoffe nur, dass die Situation kein genialer Schachzug von mir ist, mit dem Ziel, das größtmögliche Chaos zu erzeugen. Dass wäre dann nicht mehr zu verhindern. Die Karten sind gemischt, die Einsätze klar – einen neuen Menschen in meinem Leben gewinnen oder ein weiteres Stück von mir selbst verlieren. Ich bin nun mal Spieler!
Ich werde mich einfach an den Rat von Claire halten: Weniger über alles nachdenken und einfach mal machen! Auf die Chance zulaufen, wenn sie in der Ferne auszumachen ist. Oder in diesem Fall direkt vor mir.
Sayonara
Leo

Montag, 9. April 2012

Vermissen


Normalerweise leite ich meine neuen Posts mit einem Zitat oder Auszug aus einem Songtext ein. Diesmal habe ich die kleine Einleitung selbst geschrieben, nur dass ihr euch nicht über die Anonymität des Verfassers wundert.

„Wenn du weißt, wann du sie wiedersiehst, zählst du die Sekunden. Wenn du es nicht weißt, zählst du nur Tränen.“

Was ist das Gefühl, zu Vermissen? Bedeutet Vermissen nur den Verlust auf Zeit, egal ob es sich um einen Menschen, eine Chance oder einen Zeitabschnitt aus der Vergangenheit handelt? Wie nennt man dann das Gefühl der Gewissheit, etwas für immer verloren zu haben oder der Verlust nicht mehr zu vermeiden ist? Und wo kann ich einen Unterschied erkennen?
Jeder hat so eine Sache, die er vermisst. Dieser Satz sollte nur eine kleine Aufmunterung für einen Kumpel sein, aber das Thema hat mir einfach keine Ruhe gelassen.
Jeder hat so eine Sache, die er vermisst, entscheidend ist, wie man damit umgeht.
Wer weiß, dass der Mensch oder die Chance zurückkehrt, kann einfach abwarten. Ob das der richtige Weg ist oder ob man dadurch etwas viel wichtigeres und schöneres verpasst, sei dahingestellt. Aber was ist mit denen, die diese Chance nicht haben, oder nicht wissen ob sie existiert?
Man bekommt immer so leichtfertig gesagt, man solle sich damit abfinden. Aber was diese Worte individuell bedeuten, weiß scheinbar niemand. Für mich gibt es kein „sich damit abfinden.“ Entweder du bekommst, was du willst indem du darum kämpfst oder halt wartest, bis es um dich kämpft – ich empfehle dringend, den Arsch hoch zu kriegen. Die Lebenserwartung liegt nur bei ca 80 und so viel Zeit will ich persönlich nicht in meiner eigenen emotionalen Wartehalle verbringen. Die andere Möglichkeit ist, sich umzuorientieren. Scheint mir schwerer zu sein, aber ich halte es für den einzigen Weg, der an einem persönlichen Wachstum und Zufriedenheit vorbeiführt.
Nur was soll ich tun? Ich bin noch nicht mal an dem Punkt, mich für eine der Alternativen zu entscheiden. Bei mir geht es um einen besonderen Menschen. Und um eine große Chance. Und um Gefühle. Die Liste ist nahezu endlos...
Ich bin noch nicht bereit, das Vermissen aufzugeben, ich will noch nicht! Dafür müsste ich die bestehende Unmöglichkeit anerkennen, und das will ich nicht, auch wenn ich vielleicht könnte.
Wie genau man diese Störung nennt, weiß ich nicht. Ich tippe auf Menschlichkeit.
Neugierig,
Sayonara
Leo

Freitag, 6. April 2012

Kunst der Gedanken


Endlich habe ich wieder etwas geschrieben, auch wenn ich noch unzufrieden bin. Ich gebe euch mal einen Text, ohne ihn vorher mehrmals überarbeitet zu haben. Bei diesem wäre das eh zwecklos! Und ich muss feststellen, dass die gedankliche Unordnung hier mein Inneres sehr gut darstellt.
Viel Spaß...

„Danach Stille, schlechtes Gewissen, die Gewissheit kommt und ich erbrech' mich ins Kissen“
Prinz Pi – Elfenbeinturm

Verstehen kann man die meisten Ereignisse nur im Nachhinein. An Claires Schrank hängt eine Postkarte mit einem genialen Satz: Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts. An diesem Satz ist Wahres dran! Ich persönlich brauche immer ein paar Tage, um wichtige Erlebnisse wirklich begreifen zu können. So auch die vergangenen Tage, die ich bei Claire verbracht habe. Langsam hören die leisen Stimmen in meinem Kopf auf, Chinesisch zu reden.
Ich erkenne, wie sich ein rotierendes Mosaik aus Momentaufnahmen, Eindrücken und Gedanken nach und nach zu einem Strang aus Linien verdichtet und mir Wahrheit zeigt. Die Art Wahrheit, die ich längst hätte sehen können, aber nicht habe sehen wollen.
Ich denke, so entsteht fast jede Art von Kunst, egal ob Gemälde oder eine Reihe von Worten. Egal, ob durch Pinsel und Leinwand oder durch Kugelschreiber auf Papier geschaffen. Kleine Linien verdichten sich solange zu Buchstaben und Worten, bis ein gewisser Zauber und eine Stimmung entsteht, die teilweise vom Inhalt unabhängig sind. Es geht ja auch nicht um den Inhalt, sondern um dessen Bewertung und Auswirkung. Ich habe gehört, dass Leid – und dann bestimmt auch Glück! - weniger mit dem zu tun hat, was passiert sondern damit, wie wir das Geschehene bewerten.
Leider habe ich keine Ahnung, wie ich die letzten Tage wirklich bewerten soll. Es sind zu viele Bilder, zu viele Gedanken und zu viel Gefühl in zu kurzer Zeit. Ich hoffe, dass ich der einzige bin, der keine Ahnung hat. Es reicht, wenn einer vergessen hat, wo oben und unten ist!

Sayonara
Leo

Mittwoch, 28. März 2012

Diamanten im freien Fall


Mein Blog feiert diesen Monat Jubiläum, und ich habe mal wieder ein der Phasen, in denen ich nicht wirklich zum schreiben komme. Und falls ich doch Worte auf meinem Papier finde, sind sie mit Jauche anstatt mit Herzblut geschrieben. Also gebe ich euch einen sehr alten Text, ich hoffe er gefällt. Bald kommt auch wieder was neues.

Vertrauen ist wie ein Diamant. Wunderschön, über lange Zeit entstanden, hart aber brüchig wie Glas. Und wenn es zerbricht, beinahe nicht zu retten. Doch was tun? Was tun, wenn dieser Diamant fällt? Wenn er droht, auf dem harten Boden der Tatsachen zu zersplittern. Zu zerbrechen, auf längere Zeit.
Vertrauen ist eines der größten Geschenke, die sich Menschen gegenseitig machen können. Jeder von uns hat schon einmal Vertrauen zerstört, jeder von uns hat schon mal zu unrecht jemandem vertraut. Und wurde enttäuscht.
Doch was tun wir mit dieser Enttäuschung? Wo suchen wir die Schuld? Wir sind in einem Zwiespalt, irgendwo zwischen Selbstzweifel und Wut.
Aber erst wenn das vorbei ist, sehen wir den Scherbenhaufen. Verstreut liegen kleine Splitter und jetzt wird uns bewusst, dass sich manche dieser Splitter in unser Herz gebohrt haben. Erst jetzt fühlen wir den Schmerz, Scherz über den Verlust.
Es ist wie die meisten Dinge in unserem Leben, Nach einer Zeit beginnen wir, diese Dinge für selbstverständlich zu betrachten. Aber das sind sie nicht. Das sind sie nie und werden es nie sein.
Das ist einer der größten menschlichen Fehlern, doch am Ende nur eine Illusion.
Aber Illusionen zerfallen nun mal. Und dann kommen Schuldzuweisungen. Die Schuld bei dem Anderen zu suchen ist genau so leicht wie dumm. Wie kann man so neues Vertrauen bilden?
Nein ich glaube nicht daran, dass man altes oder vergangenes Vertrauen reparieren kann, es wird zerstört und im besten Fall neu gebildet.
Und die Schuld bei sich selbst suchen? Niemals. Daran können Menschen zerbrechen, daran bin ich fast zerbrochen.
Vertrauen und Liebe. Ich meine nicht die Grundlagen einer Beziehung, sondern das “perfekte“ Paar und gleichzeitig den stärksten Gegensatz.
Vertrauen ist solide, stark, fast bindend. Die Liebe ist stürmisch, wild. Manchmal wechselhaft. Beide zusammen sind einfach unbezahlbar.

Die Widmung habe ich weggelassen, ich weiß dass ein Mensch diesen Text wiedererkennt...

Sayonara
Leo

Sonntag, 4. März 2012

Die zwischenmenschliche Antwort auf chemische Wechselwirkungen!


Mir persönlich ist das gerade alles zu verstrickt, zu verwoben und verworren. An Übersicht ist gar nicht erst zu denken, ich weiß nicht wo mit der Kopf steht. Die Personenkonstellation ist hollywoodreif: ich bin glücklich mit dem Mädchen zusammen, dass ich noch letztens meine beste Freundin genannt habe – ich rede von Allie.
Mit Claire bin ich wieder gut befreundet, höchstwahrscheinlich besser, als eigentlich gesund ist. Ich hasse diese Art Bezeichnung von zwischenmenschlicher Beziehung, aber sie ist meine Exfreundin, war meine erste große Liebe. Und zu einem gewissen Grad sind auch noch Restgefühle da, über das normale Maß hinaus.
Ich habe nie geglaubt, dass einmal entstandene Gefühle zu mehr als 97,38% verschwinden. Die Zahl ist geschätzt!
Freundschaft trotz Restgefühlen ist eine schwierige Sache, fast jeder hat mir strickt davon abgeraten. Aber ich konnte oder besser kann nicht anders. Sie ist immer noch ein wunderbarer Mensch, eine der Wenigen die mein persönliches Chaos verstehen. Oder dem wenigstens nahe kommen.
Zwischen Allie und Claire ist eine total verdrehte Freundschaft, sie sind komplett unterschiedliche Menschen und ich denke, dass meine pure Existenz niemals ein normales Verhältnis zwischen ihnen zulassen wird.
Das alles so verworren ist, führt zu einem gewaltigen Problem:
Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass die einzelnen Verbindungen voneinander abhängig sind, die zwischenmenschliche Antwort auf chemische Wechselwirkungen!!
Das ungesunde Verhältnis zwischen mir und Claire hat ihre Freundschaft zu Allie irgendwo tief getroffen. Ich will nicht alles darauf schieben, aber das ist mindestens ein großer Grund. Folglich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Auswirkungen auch auf Allie und mich überschwappen wie eine verdammte Flutwelle. Im schlimmsten Fall muss ich mich zwischen Allie und Claire entscheiden, auch wenn ich das auf keinen Fall tun will. Unter dem Motto „Retten, was zu retten ist“ muss ich zwischen zwei schlechten Entscheidungsmöglichkeiten auswählen. Eine Entscheidung, die mir einen der wichtigsten Menschen aus meinem Leben herausreißt, kann in keiner Art und Weise gut oder überhaupt akzeptabel sein! Tolle Aussichten, oder?
Ich habe ewig versucht, zwischen den beiden zu vermitteln, ihnen Zusammenhänge zu erklären, ihnen meine Sorgen nahegebracht. Ziemlich erfolglos! Wenn ich es mit diesem Post nicht schaffe, weiß ich auch nicht weiter. Dann ist mein Latein wirklich am Ende. Aufgrund von Menschenrechten und solchem Schwachsinn darf ich die beiden nicht mit mir in einen Keller sperren und zum reden zwingen.
Voller Sorgen,
Sayonara
Leo

Mittwoch, 29. Februar 2012

Zeit für Rückblenden


Zuerst einen Gruß an Heribert*, meinem kleinen nichtsnutzigen Hater, den ich dazu aufrufen möchte, diesen Blog einfach nicht mehr zu besuchen!
* ich habe dich einfach so genannt, weil "Anonym" mir nicht ausreicht, egal wie passend es gewissermaßen ist. Und Heribert klingt so schön nach Witzfigur!

Eigentlich wollte ich hier die letzten ein bis zwei Wochen ausbreiten. Vier gescheiterte Ansätze zeigen, dass sich das Geschehene nicht in Worte fassen lassen will. Also überspringe ich diesen Teil einfach...

Langsam beginne ich aufzutauen. All die Sorgen und dunklen Gedanken, die Schuld und die Fehler der letzten ein bis zwei Wochen beginnen, sich aufzulösen. Sie verschwinden nicht schlagartig, sie treiben auseinander wie Nebelbänke, sodass ich jetzt wieder sternenklaren Nachthimmel sehe. Das was geschehen ist wandelt sich von subjektiven Eindrücken in ein Erkennen und Verstehen.
Nicht alle Entscheidungen waren richtig, noch viel weniger hatten einen guten Zeitpunkt, aber trotzdem sehe ich jetzt das Gute, welches dieser Weg mit sich führt. Die Chance, glücklich zu sein.
Und die letzten Wochen haben Spuren gelassen, einzelne Momentaufnahmen haben sich praktisch in mein Gedächtnis gebrannt.

Die wenigen Nachmittage mit Allie, so wundervoll und so surreal, dass die Zeit aufgehört, etwas zu bedeuten, obwohl sie in solchen Stunden am schnellsten verstreicht.

Die unendlichen Telefonate mit Claire; Freundschaft die die gesunden Grenzen einfach in Stücke schlägt.

Der Abend mit Justus und die Feststellung, dass geteilte Probleme nicht weniger , aber weniger bedrohlich werden. Man kann dann schon über die eigene Blindheit und Dummheit lachen.

Ein riesiges Dankeschön an all die wichtigen Menschen...

Sayonara
Leo

Donnerstag, 9. Februar 2012

Bitterste Ironie...

Ich sitze höchstens einen Meter von der Person entfernt, die begehre. Wir sind allein im Zimmer eines Kumpels, im Fernsehen läuft sinnloser Mist. Und ich bin absolut sprachlos. Normalerweise würde ich jetzt etwas witziges sagen, mich mit ihr unterhalten und sie insgeheim in Gedanken ausziehen. Aber ich fühle mich wie gelähmt.
Ihre Anwesenheit betäubt mich, ihr Duft hängt im Raum, belebend und zerstörend zugleich. Hält mich am Leben aber nimmt mir die Fähigkeit, zu denken.
Ich stehe unter Zugzwang, ich will sie, auch wenn ich nicht weiß, was genau ich will.