Dienstag, 24. Januar 2012

Tut mir leid, noch kein Name


Erster Teil: Balanceakt

Menschen, so sagt man, könnten mühelos mit einem Seil über eine Schlucht balancieren, solange sie nicht wissen, was genau sie gerade tun. Schwindelfrei und absolut sicher spazieren sie hin und zurück. Doch ein einziger Blick nach unten genügt, um diese Gegebenheit zu ruinieren, das Gleichgewicht außer Kraft zu setzen und einen Menschen mitten auf dem Sein komplett zu lähmen.
Ich wurde gezwungen, nach unten zu sehen.
Nun stehe ich da, weiß weder vor noch zurück und auch wenn, wäre ich kaum in der Lage einen einzelnen Schritt zu tun.
Ein klares Zeichen, WARTE! Gib dir einen Moment, bis du weißt, in welche Richtung du gehen möchtest. Und dann halte dich an die beiden Regeln des Marathon – frei nach Barney Stinson:

  1. Setze einen Fuß vor den Anderen.
  2. Hör erst auf damit, wenn du im Ziel bist

Zweiter Teil: Farbwechsel

Seit einer Woche kommt mir alles seltsam vor, unreal, obwohl das Leben mit rechten Haken nicht unbedingt sparsam war. Trotz der Veränderung ist es immer noch mein Leben, fast wie vorher. Im Alltag kaum verändert. Abends weniger telefonieren, tags ein paar SMS weniger. Doch im Grunde genommen das gleiche Leben. Nur wirkt es anders auf mich.
Vor allem die Menschen in meiner Umgebung verhalten sich anders. Entweder dieses unnötige Mitleid, das Gefühl, wie ein rohes Ei behandelt zu werden – angefasst mit Samthandschuhen, in Watte gepackt und so weiter. Völlig ungewollt, vor allem ungewollt.
Auf der anderen Seite, die extreme Bemühung, genau das nicht zu tun, den Schein erwecken zu wollen, dass sich absolut nichts verändert hat. Hat es aber, nicht die Umstände, mehr ich selbst.
Unterm Strich eine Lüge aus fehlplatzierter Rücksicht. Ich kann nur schwer sagen, was schlimmer und unerträglicher ist.
Das ist der wahre Grund, warum ich meine Zeit am liebsten allein verbringe, umgeben von Büchern und Musik, sie sind konstant geblieben.

Dritter Teil: Schach

Ich betrachte mein Leben gerne als Schachspiel. Interessen, Wünsche, Gefühle und sogar Menschen agieren, als wären sie nichts als Figuren. Ich bin gleichzeitig Spieler und selbst Figur. Im Duell gegen ein boshaftes Wesen in Form eines boshaften Kleinkindes gesteuert von purer Willkür – nennt ihn Gott, Teufel oder Biene Maja, völlig irrelevant.
Aktuell stehe ich im Schach, die aktuelle Position ist nicht sicher, die nebenliegenden Felder bedroht. Nur weniger schützende Figuren übrig, und ich stehe unter Zugzwang.

Aber egal wie die Figuren stehen, das Spiel kann werder gewonnen noch verloren werden. Es endet einfach, zeitgleich mit Herzschlag und Atmung. Was zählt ist, ob die Partie trotz oder gerade wegen den dramatischen Situationen Spaß gemacht hat. Die Gewissheit, die Herausforderung freiwillig angenommen zu haben – spielen musst du.
Angestrebter Titel: Sieger der Herzen.
Oder eben diverser paar Brüste samt Zubehör :)

Sayonara
Leo

Montag, 16. Januar 2012

Gekämpft und verloren


„Wenn alle Stricke reißen, kann man sich nicht mal mehr aufhängen“

Letzte Worte hallen zwischen sämtlichen Hirnregionen nach. „Es tut mir leid...“ „Nichts, wofür man sich entschuldigen könnte oder müsste.“ Mein unausgesprochener Kommentar: Ach, fick dich doch mit deiner Heuchelei!
Es war eine schöne Zeit, jetzt ist sie zu ende. So gehts halt im Leben, mal verliert man, mal gewinnen die Anderen. Am Ziel angekommen, eine schreckliche Erkenntnis: Der Weg war das Ziel, hier am Ende ist nichts mehr zu holen.
Und damit war es das für heute...

Sayonara
Leo

Dienstag, 10. Januar 2012

Spiel auf Zeit?

Die erste große Hürde ist überstanden, ich weiß nicht ob sich meine verzweifelte Hoffnung gelohnt hat, sie hat sich bewahrheitet. Und darauf kam es an.
Immer noch in eine schnellen gedanklichen Achterbahn, aber Erleichterung macht sich breit, der Gedanke, noch eine Chance zu haben. Der Gedanke, Sie nicht verloren zu haben, weitermachen zu können.
Nur längst sind noch nicht alle Details geklärt, Unsicherheiten und Zweifel sind leider genauso langlebig wie Hoffnung. Vielleicht nur ein Aufschub, eine Sekunde zum durchatmen, ein Spiel auf Zeit? Wir werden sehen...
Gesetzt ist, dass sich jetzt das Kämpfen, jede einzelne Mühe, jedes noch so lapidares Opfer lohnt. Das Beste zu geben, in der Hoffnung, dass es reicht, in dem Wissen, überhaupt gekämpft zu haben.

Sayonara
Leo

Montag, 9. Januar 2012

Ein Versuch, Chaos in Worte zu fassen...


“Save me from the nothing I've become.”

Ich habe Angst. Angst weil ich irgendwo an einem großen Abgrund stehe. Die Brücke wackelig und das Licht scheint einfach keine Lust zu haben, mit zu leuchten.
Ich bin ratlos. Bald sind es acht Monate. Acht Monate in einer extrem schönen Beziehung. Schwierig, weil zwischen Halle und Lüneburg nun mal ein paar Kilometer liegen, aber dennoch extrem schön. Und jetzt etwas kritisch.
Verlustängste sind generell qualvoll und kategorisch beschissen. Und vertragen sich nicht mit dem menschlichen Bedürfnis auf Schlaf. Das schlimmste ist die Gewissheit der eigenen begangenen Fehler. Trotz aller Bemühungen in Richtung Unnahbarkeit, wer mich kennt, weiß dass das nicht mehr ist als Schauspiel. Eine Maske, Bunt bemalt mit Arroganz und Ignoranz. Aber jeder, der meinen Blog verfolgt, kennt mich, das ewige hin und her zwischen Selbstzweifel und leichten Zwangsneurosen.
Fehler, mit denen ich einen bestimmten Menschen sehr unglücklich gemacht habe. Erst Fehler aus schlechten Prioritäten, dann Fehler aus Kontrollverlust. Und jetzt kommt die Realität und haut mir die Folgen meines Handelns um die Ohren. Doch mein eigener Schmerz ist mir gleichgültig, zeigt mir höchstens dass ich noch fühle. Wirklich weh tut der Schmerz, den ich anderen bereitet habe. Dafür gesorgt, dass Sie sich unbeachtet und nicht wertgeschätzt fühlt. Unabsichtlich, aber viel zu lange als dass sie es aushalten könnte. Ich fühle mich nicht schuldig, weil ich Fehler gemacht habe, eher wegen den Folgen.
Ungewissheit. Ein folgenschweres Telefonat diente als der berühmte “Schuss vor den Bug“, ein Warnsignal. Jetzt weiß ich, welchen Weg ich gehen will. Ich bin bereit, alles für sie zu opfern. Falls das Leben ein Schachspiel ist, jeden Bauern, Läufer, Turm und Springer zu opfern, um meine Dame zu halten. Aber nicht gewiss ist, ob diese Einsicht nicht doch zu spät kommt, ob sie noch willens ist, mir oder uns eine Chance zu geben.
Hoffnung. Momentan alles was ich noch habe.

Jetzt fällt es mir schwer, diese Maske aufrecht zu erhalten, zu sehr plagen mich meine Sorgen.

Sayonara
Leo

Donnerstag, 5. Januar 2012

Memoiren des Spielers


“Unfreiwillig gemeinsam allein!“

Ich sehe das Leben wie eine große Runde Blackjack, sieben Milliarden Spieler an unendlich vielen Tischen. Jeder ein Blatt in die Hand, aber nicht vor den Mund.
Andere behaupten, es bestünde aus Formeln und Zahlen. Zutreffender wären Ereignisse und Wahrscheinlichkeiten, Kosten und Nutzen, die Variable „Menschlichkeit“ und unter einem großen Bruchstrich die Zeit, Zeit die dem Spiel erst eine Befristung, besser gesagt einen Wert gibt.
Dieses Schema lässt sich auf fast alles herunter brechen, gesetzt den Fall, man möchte. Ob man dadurch etwas gewinnt, ist durchaus fraglich, aber es gibt eh keine richtige Definition von “Im Leben gewinnen.“ Glück? Erfolg? Beziehungen? Alles davon, nichts davon oder irgendetwas dazwischen?
Aber ich bleibe bei meiner vielleicht etwas verschrobenen Anschauung. Bietet sie mir auch nicht unbedingt Sicherheit, Spaß bringt sie auf jeden Fall. Der große Vorzug: Die Mischung aus Logik und Glücksspiel, atemberaubend, spannend, zerbrechlich.

Doch was sich normalerweise die Waage hält, kann sich gegen dich wenden. Die Chancen stehen 50/50, riskiere es oder lass es sein. Und wenn du Pech hast, 22 Augen oder mehr. Überkauft, die Bank gewinnt. “Es war uns eine Ehre“ = “Da ist die Tür!“ Die Logik wendet sich nicht gegen dich, eher gegen das Spiel. Zeit, die Strategie zu wechseln, Auszeit an der Bar, “Oban Single Malt, mit Eis bitte“
Und gerade die Erkenntnis, die Strategie ändern zu müssen, der Appell, anders zu handeln bewirkt meistens dass Gegenteil. Ironie des Lebens. Man beginnt, alles bis ins kleinste zu zerdenken, verliert zunächst den Überblick, danach die komplette Substanz.
An diesem Punkt zeigen sich die Lebenskünstler, diejenigen, die den Überblick und die Besonnenheit halten können, diejenigen, die die Gratwanderung zwischen chaotischer Spontanreaktion und dem Denken bis zu Handlungsunfähigkeit meistern.
An die Arbeit!